Warum A1C nicht ausreicht: Erkenntnisse von Dr. Ben Bikman
In diesem Beitrag erörtern die Stoffwechselexperten Dr. Ben Bikman und Dr. Ken Berry, warum die medizinische Gemeinschaftsfixierung auf Blutzucker und A1C häufig die frühesten Anzeichen von Stoffwechselerkrankungen übersieht: Insulin.
Die insulinzentrierte Sicht
Die meisten Kliniker sind darauf trainiert, sich auf Glukose zu konzentrieren. Insulin ist jedoch ein deutlich empfindlicherer und früherer Marker für metabolische Fehlsteuerungen.
- Mythos der Beta‑Zellen: Entgegen der weit verbreiteten Annahme „brennen“ Beta‑Zellen bei Typ‑2‑Diabetikern nicht einfach aus. In vielen Fällen bleibt die Insulinproduktion über Jahre vielfach höher als normal, selbst wenn der Glukosespiegel zu steigen beginnt [00:03:10].
- Die Gefahr exogenen Insulins: Mehr Insulin zu verabreichen, um bei einem Typ‑2‑Diabetiker den Glukosespiegel zu senken, kann die Ergebnisse verschlechtern und die Sterblichkeit erhöhen [00:03:52].
Referenzbereiche für Nüchterninsulin
Dr. Bikman schlägt folgende Marker für Nüchterninsulin (Mikroeinheiten pro mL) vor:
- 0–6: Optimale Insulinsensitivität.
- 7–17: Eine „Warnzone“, in der metabolische Probleme beginnen können.
- 18+: Deutlicher Hinweis auf metabolische Beeinträchtigung [00:05:46].
Die Schwächen des A1C‑Tests
HbA1C misst die Glykation (Zuckeranlagerung) an roten Blutkörperchen über etwa 120 Tage. Obwohl nützlich, hat der Test erhebliche Blindstellen:
1. Lebensdauer der roten Blutkörperchen (Erythrozyten)
Der A1C‑Wert wird stark davon beeinflusst, wie lange Ihre roten Blutkörperchen leben:
- Falsch positive Ergebnisse: Leben die Erythrozyten länger als im Durchschnitt (häufig bei gesunden, nährstoffreichen Ernährungsweisen wie der Carnivore‑Diät), haben sie mehr Zeit, Glykation anzusammeln, was zu einem höheren A1C trotz niedriger Glukose führen kann [00:12:42].
- Falsch negative Ergebnisse: Bei schnellerem Zellumsatz (z. B. Anämien oder B12-/Eisenmangel) kann A1C „normal“ erscheinen, selbst wenn der Blutzucker gefährlich hoch ist [00:13:24].
2. Der Fructose‑Faktor
A1C misst primär die Glykation durch Glukose. Sie misst nicht die Glykation durch Fructose („Fructation“), die siebenmal reaktiver ist als Glukose [00:22:45].
- Personen, die große Mengen Fruchtsäfte oder Smoothies konsumieren, können ein „normales“ A1C haben, während sie gleichzeitig massive interne Glykationsschäden erleiden [00:23:18].
Glykation über das Blut hinaus
Glykation ist ein nicht‑enzymatischer Prozess, bei dem Zucker an Proteine, DNA oder Lipide bindet. Sie erfolgt überall, nicht nur in roten Blutkörperchen:
- Nieren: Führt zu Nierenversagen.
- Blutgefäße: Trägt zur Atherosklerose bei [00:09:47].
- Haut: Schädigt Kollagen und führt zu vorzeitiger Alterung/Falten.
Harnsäure und Ketone
Da es keinen kommerziellen „Fructation“-Test gibt, schlägt Dr. Bikman Harnsäure als Surrogatmarker für Fructosestoffwechsel vor [00:23:45].
- Fructose vs. Fleisch: Harnsäure wird stärker durch Fructosekonsum als durch Fleisch oder Fisch angetrieben.
- Der Ketone‑Vorteil: Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Ketone die Entzündung, die typischerweise durch erhöhte Harnsäure verursacht wird, hemmen können, was erklärt, warum ketogene Patienten oft verbesserte Gesundheitsmarker sehen, selbst wenn die Harnsäure vorübergehend hoch bleibt [00:27:14].
Quelle: Why A1C Isn't Enough - Dr. Ben Bikman with Dr. Ken Berry