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Wie unsere Vorfahren ihre fleischbasierte Ernährung erbeuteten

In dieser Folge von Science of the Human Condition besprechen Dr. Eugene Morin und Dr. Bruce Winterhalder ihre Forschung zum Ausdauernjagen — der Strategie, Beute so lange zu verfolgen, bis sie vor Erschöpfung zusammenbricht.

Überblick über Jagdstrategien

Während moderne Wahrnehmungen oft „Begegnungsjagd“ (Aufspüren und Schießen mit Projektilen) betonen, waren die vorzeitlichen Strategien wesentlich vielfältiger:

  • Gemeinsame Treibjagden: Tiere in Fallen treiben oder zu anderen Jägern lenken [00:06:36].
  • Schlingen und Netze: Oft die primäre Methode für Großwild in borealen Wäldern [00:08:03].
  • Vergiften: Verwendung giftiger Pflanzen zur Kontamination von Wasserquellen [00:08:17].
  • Ausdauerjagd: Beute über Stunden oder sogar Tage verfolgen [00:14:04].

Die Mechanik der Ausdauerjagd

Ausdauerjagd ist kein permanentes Sprinten. Es ist ein Zyklus aus Sprint und Ruhe [00:16:14]:

  1. Der Jäger scheucht das Tier auf.
  2. Das Tier sprintet außer Sichtweite.
  3. Der Jäger verfolgt das Tier in gleichmäßigem Tempo.
  4. Der Jäger scheucht das Tier erneut auf, bevor es seine Körpertemperatur vollständig wiederherstellen kann.
  5. Dadurch überhitzt das Tier und erreicht schließlich einen Zustand der „Bewegungsunfähigkeit“, in dem es nicht mehr fliehen kann [00:20:01].

Menschliche physiologische Vorteile

Menschen besitzen einzigartige Eigenschaften, die sie eher zu „Ausdauer-Tieren“ als zu „Kraft-Tieren“ machen:

  • Schwitzen: Menschen können Wärme effizienter ableiten als fast jedes andere Säugetier [00:25:50].
  • Slow-Twitch-Muskelfasern: Unsere Fortbewegungsmuskulatur ist auf Effizienz und langandauernde Aktivität ausgelegt [00:26:15].
  • Bipedalismus: Ermöglicht eine besondere Wärmeableitung, auch wenn er nicht bei allen Geschwindigkeiten effizienter als Vierbeinigkeit ist [00:42:27].

Die Rolle des Gehirns

Kognition ist genauso wichtig wie Athletik. Erfolgreiche Jäger nutzen „Gehirnleistung“, um Tierverhalten vorherzusagen:

  • Die Kürzung der Route: Jäger wissen, dass Tiere oft Bogen laufen und sie „abkürzen“, um die Distanz zu verkürzen [00:30:30].
  • Vorhersage von Zufluchtsorten: Erkennen, dass ein überhitztes Tier die nächste schattige Baumgruppe aufsucht [00:31:32].

Kulturelle und geschlechterbezogene Perspektiven

Der Mythos „Mann der Jäger“ wird durch ethnografische Belege in Frage gestellt:

  • Frauen als Jägerinnen: In vielen Gesellschaften (wie den Inuit oder borealen Waldbewohnern) jagten Frauen aus Notwendigkeit oder Vorliebe und waren dabei sehr erfolgreich [00:11:48].
  • Prestige: Laufen war oft Quelle sozialen Prestiges und wurde in Ritualrennen mit Männern, Frauen und Kindern gefeiert [00:49:21].

Moderne Schlussfolgerung

Die Experten schlagen vor, dass Menschen auf Ausdauer programmiert sind. Aktivitäten im Freien und „sich zum Schwitzen bringen“ haben tiefgreifende mentale und körperliche Gesundheitsvorteile und rekapitulieren Verhaltensweisen, die unsere Spezies über Millionen von Jahren geprägt haben [01:00:03].


Quelle: Science of the Human Condition - Ep. 17